File:President Barack Obama meeting with President of Turkey Recep Tayyip Erdoğan.jpgErdogan, Stoltenberg und Putin - Vorschlag für eine Verschwörungstheorie

15. März 2016 (Kommentar von Niki Vogt, Bild: Wikipedia, Lizenz: cc-by-2.0) Moinmoin, und ich hätte da mal eine neue Verschwörungstheorie anzubieten. Am Sonntagabend detonierte eine Autobombe in Ankara. Siebenunddreißig unbeteiligte, ahnungslose Menschen müssen tragischerweise sterben. Eine kurdische Organisation bekennt sich dazu. Am nächsten Tag, bereits am Morgen, stehen die EU und der NATO-Generalsekreter Jens Stoltenberg - vollkommen ungeprüft - solidarisch an der Seite der Türkei und überbieten sich mit Unterstützungsversprechen, auch der alte Russenhasser und EU-Ratspräsident Donald Tusk formuliert Solidaritätsadressen. Und am selben Tag gibt Putin überraschend bekannt, daß Rußland seine Mission in Syrien plötzlich für beendet erklärt und am folgenden Tag tatsächlich mit dem Abzug beginnt. Die USA reagieren verhaltend wohlwollend. Na, so eine Reihe von auffälligen Geschehnissen innerhalb von nicht mal 24 Stunden?

Zuallererst möchte ich sagen, daß mir die Opfer und ihre Familien unendlich leid tun. Es trifft immer die ganz normalen Leute, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren, und deren Namen auf die Liste der zynisch "Kollateralschäden" genannten Toten solcher inszenierten Massaker hinzugefügt werden. Es ist schmerzlich und abscheulich, kalt und böse. Und es gibt keinen Trost. Jeden von uns kann so ein Schicksal treffen.

Der wahrscheinliche Zweck des Autobomben-Massakers enthüllte sich sehr schnell: "Der Westen" in Form von EU, EU-Ratspräsident und NATO-Generalskretär fielen fast über die eigenen Füße vor lauter Eile, der Türkei ihre Solidarität und Unterstützung zuzusichern und die Kooperation noch weiter auszubauen.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erklärte: „Alle Alliierten stehen solidarisch an der Seite der Türkei und sind entschlossen, Terrorismus in all seinen Formen zu bekämpfen.“

So etwas nennt man einen Blankoscheck. Und das an die Adresse eines diktatorischen Staatschefs, der mit eiserner Hand jeden Widerstand im Land niederknüppelt, ganz unverhohlen auf Gebietseroberungen im Nachbarland Syrien schielt, von der Wiederkehr des Großosmanischen Reiches träumt, vor militärischen Aggressionen keinsfalls zurückschreckt und insbesondere auf eine katastrophale, kriegerische Konfrontation mit dem Schwergewicht Rußland hinarbeitet. Ein lupenreiner Demokrat und Friedensengel, der die "westlichen Werte" perfekt verkörpert.

Seine Drohungen gegen Rußland waren an Deutlichkeit nicht zu überbieten: "Wir können Rußland innerhalb von 7 Tagen besetzen!"

Ob soviel großkotziger Selbstüberschätzung bekam selbst ein gestandener Fernsehreporter im US-TV etwas Kicher-Schluckauf:

 
Kurz gesagt: Der "Westen" brauchte anscheinend einen Grund, um sich ganz demonstrativ und ohne großes Nachfragen an die Seite der Türkei zu stellen, den Grund hat er am Sonntagabend bekommen.
 
Nachfragen halten da auch nur auf. Der russische Jet im Grenzgebiet, der nachweislich über syrischem Boden von der Türkei und ihren Verbündeten abgeschossen wurde, war ein erster Hinweis darauf, daß Erdogan sich absolut sicher fühlte, mit der Rückendeckung der NATO den russischen Bären auf die Zehen treten zu dürfen. Es fällt auf, daß die fast schon skurril anmutende Keiferei Erdogans bei jeder Gelegenheit gegen das weit überlegene Rußland vom "Westen" eher gefördert wird.
 
Wie um das noch zu untermauern, gibt Erdogan auch sofort nach dem Attentat Folgendes von sich:
"Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat nach dem schweren Anschlag in der türkischen Hauptstadt ein entschlossenes Vorgehen gegen den Terror angekündigt. Er werde den "Terrorismus in die Knie zwingen", sagte Erdoğan am Sonntagabend. Die Türkei werde ihr Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen, um künftige Attacken zu verhindern."
Quelle: Zeit.de
 
Erstens hätte die türkische Regierung diesen Anschlag sehr wahrscheinlich verhindern können, wenn sie es denn gewollt hätte. Denn im selben Artikel schreibt die Zeit:
"Die US-Botschaft hatte erst am Freitag vor einem drohenden Anschlag in einem Viertel in der Nähe von Kızılay gewarnt und US-Bürger dazu aufgerufen, die Gegend zu meiden."
Quelle: Zeit.de
 
Die Amerikaner wußten also davon, die Türken daher sicher auch."Der Westen" hatte also wahrscheinlich für den Montagmorgen nach dem Attentat seine vorher abgesprochenen Statements schon geschrieben.
Warum wurde nichts unternommen?
War das Autobombenmassaker gewollt?
Soll der türkische Wolf von der Kette gelassen werden?
 
So jedenfalls sieht es aus. Die Türkei wird ihr Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen ... Terrorismus in die Knie zwingen ...(und das von jemandem, der bekanntermaßen den IS unterstützt!). Das hört sich arg nach vorausgeschickter Begründung für höchst aggressive Aktionen an, nach einem bereits gefaßten Plan.
Wer Erdogans Lieblingsfeind ist, wissen wir bereits: Rußland.
 
Dann legt Erdogan noch einmal ein Schäufelchen nach. Unter der Überschrift "Erdogan will den Terrorismusbegriff ausweiten" lesen wir:
"Um Terrorist zu sein, müsse man keine Bombe zünden, sagte er in Ankara. Auch Abgeordnete, Journalisten oder Akademiker könnten Terroristen sein, wenn sie diese Positionen unterstützten. Der Staat könne nicht länger dulden, dass solche Personen unter Bezug auf die Meinungs- oder Pressefreiheit durch die eine Tür des Gerichts hinein- und durch die andere wieder hinausgingen. Deshalb müsse das türkische Strafrecht entsprechend ausgeweitet werden, so Erdogan."
Quelle: Deutschlandfunk
 
Die perfekte Diktatur. Hier haben wir wirklich ein "Regime". Was für ein Vorzeigemitglied der NATO. Anscheinend ist man aber nicht besonders wählerisch: "Alle Alliierten stehen solidarisch an der Seite der Türkei."
Warum?
 
Wozu braucht "der Westen" die Türkei so dringend, daß man das alles beiseite schiebt und den Pascha von Ankara noch richtig anfeuert?
 
Erinnern wir uns, daß die USA nur mit äußersten Zahnschmerzen zur Kenntnis genommen haben, daß Rußland auf Bitten der syrischen Regierung, also als einzige Fremdpartei rechtmäßig und legitim, bei dem ganzen Spiel in Syrien tätig wurde. Die USA, die eigentlich die Ziehmutter des IS ist, fand es überhaupt nicht toll, daß Rußland unter der teuer ausgestatteten und aufgepäppelten Terrorbrut mächtig aufgeräumt hat. Aber man mußte in Washington die Faust in der Tasche machen, da man ja angeblich den Terror bekämpft. Wie will man sich da über so tatkräftige Hilfe aus Rußland beschweren?
 
Letztendlich ist die gesamte Destabilisierung der letzten Jahre rund ums Mittlemeer, im Iran, in Afghanistan, in der Ukraine, im südchinesischen Meer ein einziger Feldzug der USA (Siehe General Wesley Clarke),  Regierungen zu stürzen, Chaos zu erzeugen, um sich die Welt untertan zu machen. Wo das Chaos herrscht, können sie ihre wirtschaftlichen Interessen ungehindert durchzusetzen und sich als Weltmacht Nr. 1 behaupten. Auf lange Sicht ist es das große Ziel, die starken Konkurrenten um die Weltmacht, Rußland und China, auszuschalten.

Die Zeit läuft aber weg. Die USA sind vollkommen bankrott und am Ende. Amerika wird jeden Tag schwächer und Rußland und China stärker. Um aus der Falle schnell herauszukommen, braucht es einen Befreiungsschlag. Einen großen Krieg, am besten in Europa unter Einbeziehung der Russen ... und am besten, indem man alle gegeneinander hetzt. Der militärisch-industrielle Komplex wie z.B. Rand Corporation verkauft, wie immer, jedem die nötigen Waffen, sich gegenseitig umzubringen. Am Ende liegt alles am Boden, und die USA steigen auf, wie Phoenix aus der Asche.

Was liegt da näher, als die Russen auf dem unübersichtlichen Schlachtfeld zwischen Syrien, Irak, IS, Israel, Al Nusra, Al Kaida, der Türkei und den Kurden in eine Konfrontation zu verwickeln. Putin weiß das auch, und hat sich so geschickt verhalten, daß das nicht gelungen ist. Bisher jedenfalls nicht.

Was also tun?

Wenn Putin nicht in die Falle tappt, dann lassen wir's eben so aussehen, als ob.
False Flag nennt man so etwas, und ich wette, so etwas war jetzt in den nächsten Tagen geplant. Dazu braucht man einen wie Erdogan, der sich maßlos überschätzt und sich benutzen läßt, das für die Amis durchzuziehen. Er denkt, der wahre Sieger wird er sein, und er kann seine Großreichs-Pläne durchsetzen. Genau das werden ihm die amerikanischen "Handler" weisgemacht haben. Irgendeine Riesenschweinerei sollte wahrscheinlich zusammen mit Erdogan in den nächsten Tagen abgezogen werden, und Putin wäre zum totalen Bösewicht erklärt worden. Die NATO hätte heroisch gegen Rußland eingreifen "müssen".

Wahrscheinlich hat der alte Fuchs aus dem Kreml das gewußt, der russische Geheimdienst ist brillant. Und als die Zutaten für die Party in der Höllenküche geliefert wurden, hat er innerhalb von zwei, drei Stunden den Abzug angeordnet und die Mission für beendet erklärt. Und Tschüß.

Jetzt ist alles angerichtet, nur das Schwein, das zur Party geschlachtet werden sollte, ist verschwunden.

Ja, zugegeben, es ist eine pure Verschwörungstheorie.


 

File:President Barack Obama meeting with President of Turkey Recep Tayyip Erdoğan.jpg
Bild: Wikipedia, Lizenz cc-by-2.0, http://www.flickr.com/photos/68842444@N03/14962273398/, creative commons
 
 
 
 
   

   

ClustrMap  

quer-denken.tv-thumb.jpg

   

Newsletter bestellen  

   
© 2015 Quer-Denken.TV