Unabhängig leben: Der Mensch und das Getreide (2)

22. Dezember 2015 (von Niki Vogt und Stefan Doliwa)  Bevor wir hier darlegen, wie Getreide gelagert werden muß und wie man es vor Ungeziefer schützt, ist es wichtig zu erläutern, wie elementar wichtig ein ausreichender Vorrat Getreide ist: Getreide jeder Sorte ist ein sehr lange haltbares, hocheffizientes Lebensmittel, eine gute Quelle an Eiweißen, wertvollem Keimöl, Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen und für die Verdauung nützlichen Ballaststoffen. 

Getreidekörner können weit mehr, als nur zu Mehl gemahlen in Backwaren verarbeitet werden. Auch rohes Getreide ist sehr gut eßbar. Dabei müssen wir nicht auf den haren Körnern herumkauen, wie es früher bei den römischen Legionäre üblich war. Die bekamen jeden Morgen eine Kelle voll Rohgetreide, die sie im Säckel mit sich trugen und von dem sie immer eine kleine Menge langsam weichkauten, meistens während der langen Fußmärsche. Das geht gut, wenn man gute Zähne hat. Durch das lange Verbleiben im Mund schließt der Speichel die Kohlehydrate im Korn auf und verwandelt einen Teil davon in Zucker. Das gab den Legionären auch ständig neue Energie. Sozusagen ein antiker Müsliriegel.

Getreide ist unerhitzt sehr gut genießbar
Unerhitztes Getreide ein hochkonzentriertes Lebensmittel, das den Körper mit allen nötigen Ballaststoffen, Mineralstoffen, Vitaminen, einem hochwertigen Pflanzenöl (Keimöl) und Spurenelementen versorgt. Unerhitztes Getreide hat eine basische Wirkung und verhindert damit eine Übersäuerung des Körpers.
Und es hat einen wesentlich höheren Nährwert.
Denn: Sobald das Getreide erhitzt wird und z. B. Brot daraus gebacken wird, benötigen wir etwa die 5fache Menge davon, um wirklich satt zu werden und die Bedürfnisse des Körpers zu erfüllen. Denn trotz der höheren Menge werden gerade von den wertvollsten Bestandteilen weniger aufgenommen, weil sie durch Hitze zerstört werden.

Dieses Wissen ist wertvoll - und auch durchaus bekannt. Aus diesem Grund kommt auch das berühmte Müsli aus der Schweiz. In den Alpentälern gibt es nicht soviel Ackerfläche, auf den Berghängen wächst kaum Getreide. Das Leben dort war in der Landwirtschaft der Bergbauern aber fordernd und anstrengend. Es ist etwas anderes, mit dem Pferdefuhrwerk im ebenen Land herumzufahren und auf ebenem Ackerboden den Pflug zu bewegen als zu Fuß die steilen Berge hinauf und hinunter hinter Ziegen und Kühen herzusteigen. Auch das Mähen der Almwiesen am Berghang und der Transport des geschnittenen Heus ist enorm kräftezehrend. Daher war es wichtig, aus dem kostbaren Getreide soviel gesunde Energie wie möglich zu gewinnen.

Und hier ist daher die erste Empfehlung schon einleuchtend gegeben: Eingeweichtes, geschrotetes Getreide oder gequetschte Getreidekörner als Flocken zu verwenden und  Müsli daraus zu machen. Kalt angesetzter Getreidebrei aller Art war schon früher eine Nahrung der Bauern und Feldarbeiter. Man schrotet das Getreide, setzt es abends mit Milch an und läßt es quellen, bis es ein halbfester Brei ist. Am Morgen kann man es mit kleingeschnittenen Früchten essen oder Rosinen, Trockenfrüchte und Nüsse dazu geben. Wer will, kann den Getreidebrei auch herzhaft essen: Er wird dann schon mit gesalzener Flüssigkeit angesetzt (z. B. Gemüsebrühe) und kann mit geschnittenem Gemüse, Fetakäse oder Schinkenstückchen, gebratenen Zwiebeln, Knoblauch, Schnittlauch, Petersilie, Liebstöckel etc. aufgepeppt werden.

Wer einmal bei "experimenteller Archäologie" ein paar Wochen mitgemacht hat, kennt die kleinen Fladenbrote, die man herstellt aus rohem Getreide. Auf einen großen Mahlstein, der eine Mulde hat, legt man eine kleine Handvoll Körner in diese Mulde und zermahlt sie mit einem rauhen, runden Handstein. Ein mühsames Werk, bis man endlich genug feinen Schrot beisammen hat, daß es einen kleinen Fladen ergibt. Diese Schrot-Mehl-Mischung verarbeitet man mit etwas Wasser und einem bißchen Salz zu einem breiartigen, halbfesten Teig und läßt ihn auf den heißen Steinen um das Lagerfeuer heiß trocknen, bis der flache Fladen außen leicht knusprig ist und innen noch hallbweich. Schmeckt sogar gut!

Das soll jetzt kein Plädoyer gegen Brot und Backwaren sein. Ein gutes Brot ist viel wert und ein Genuß. Im Falle der Getreideknappheit ist es aber sinnvoll, die begrenzten Mengen an dem hochwertvollen Getreide so effizient wie möglich einzusetzen.

Spinnerei - oder begründete, vernünftige Krisenvorsorge?
Daß das bestehende Wirtschafts- und Finanzsystem am Rande des Abgrunds steht, ja eigentlich schon dabei ist, hineinzukippen, wissen die meisten von uns. Wir alle wissen aber nicht, wie dramatisch der Übergang in einen neuen Zyklus verlaufen wird, und was uns dann für ein System erwartet.

Wichtig ist, so gut wie möglich vorbereitet zu sein. Materiell und geistig. Das ist seltsamerweise immer eine Frage des gesellschaftlichen Konseses. Es gilt als völlig normal, sein Haus gegen Brand zu versichern, obwohl die Gefahr, daß es abbrennt, üblicherweise sehr klein ist. Niemand, der eine Feuerversicherung für sein Haus abschließt, erwartet ernsthaft, daß es abbrennt. Aber weil das normal, ja sogar Pflicht ist, wird niemand deshalb schief angesehen. Es gilt auch als verantwortungsbewußt und empfehlenswert, eine Lebensversicherug abzuschließen. Denn, wenn man sterben sollte, dann soll ja die Familie nicht mittellos dastehen. Dabei geht auch niemand davon aus, daß er bald stirbt. Auch das wird gesellschaftlich anerkannt.

Betreibt aber jemand angesichts eines am Rande des Zusammenbruchs dahintorkelnden globalen Finanz- und Wirtschaftsystems Vorratshaltung und Krisenvorsorge, ist er ein Spinner und Verschwörungstheoretiker. Das ist eben im gesellschaftlichen Konsens nicht anerkannt. Was logisch überhaupt nicht nachvollziehbar ist. Überlegen Sie: Selbst, wenn das Haus abbrennt, kann man noch zu Verwandten und Freunden gehen und für eine Weile Aufnahme finden, essen, trinken, Anteilnahme bekommen. Im Todesfall der Mutter oder des Familienvaters wird sich die Verwandschaft zusammentun und den Hinterbliebenen helfen.
Im Falle einer wirklich großen Krise mit dem Zusammenbruch der Strukturen, sind alle betroffen. Es gibt kein Auffangnetz mehr. Im Gegenteil: Jeder wird versuchen, irgendwie zu überleben. Viele werden das auch auf Kosten anderer versuchen. Je mehr Menschen aber Krisenvorsorge betreiben, umso besser wird das gelingen.

 

Ernährung in einer Krisensituation
Mit dem Zusammenbruch des gegenwärtigen Wirtschaftssystems wird die Logistikkette sehr schnell brechen. (Das werden wir in einem anderen Beitrag darlegen) Es werden einige Produkte nicht mehr zu uns kommen. Während Ananas, Orangen und Reis sicherlich zu verschmerzen sind, sind andere Produkte schon kritischer. Durch die Globalisierung wurde in Europa die Schuhindustrie, die Bekleidungsindustrie so gut wie vollkommen zerstört. Es wird Jahre dauern bis wieder alle wichtigen Produkte wieder im eigenen Land sind. Auch wird die Landwirtschaft vor heute unvorstellbaren Problemen stehen. Die Großbauernhöfe mit ihrer Massentierhaltung wird nicht mehr bestehen können und der Weg zur traditionellen Landwirtschaft wird große Probleme aufwerfen. Eine Produktion von Lebensmitteln im Einklang mit der Natur (z.B. Permakultur) muß erst wieder erlernt werden (sowohl von den bestehenden Bauern, als auch von den neuen Bauern) und die Maschinen hierzu geschaffen werden.

Diesem sollte man sich bewußt sein und seine Bevorratung entsprechend angepaßt haben. Schuhe, Kleidung und Werkzeuge des täglichen Bedarfes werden extem teuer werden. Aber diese sind leicht provisorisch zu ersetzen. Wichtiger ist es, sich mit seiner Ernährung jetzt schon weitgehend von der teuren, externen Versorgung unabhängig zu machen. Dies kann sein, daß man Lebensmittel für die langfristige Lagerung bevorratet oder besser den natürlichen Versorgungskreislauf selbst nachbildet. Hochbeete und effektive Mikroorganismen sind zusammen mit nicht Hybrid-Pflanzen eine ideale Kombination. (Auch hierzu werden wir später Beiträge bringen.)

Wir könnten also bei einer möglichen, ernsten Krise mit der Situation zu tun bekommen, daß ein Zusammenbruch der Logistik zu lokaler Unterversorgung mit Lebensmitteln führt. Und das, was noch in der unmittelbaren Umgebung produziert wird, ist meistens schnell vergriffen. Wer Getreidevorräte hat, der sollte sie also so effizient wie möglich einsetzen. Das bedeutet nicht nur eigenen Verzehr, sondern auch die Möglichkeit, benötigte Dinge mit Getreide durch Tausch "einzukaufen".

Also:
Getreide ist Grundstoff für viele Lebensmittel (Brot, Pizza, Brei, Müsli, Knödel, Nudeln, Getreidesuppe, Sprossen).
Getreide ist daher ein sehr begehrter Tauschartikel für den Fall einer Nahrungsmittelknappheit.
Getreide ermöglicht bei richtigrer Verwendung tatsächlich eine Dauer-Ernährung.

Getreide kann man mehrere Jahrzehnte lang lagern, wenn man weiß, was zu beachten ist.

 

http://www.gfaller-mehl.de/sites/default/files/gmf_grafik_15-getreidekorn.jpgWelches Getreide lagern wir am besten ein?
Getreide wird in der Regel im Zustand der so genannten "Voll- oder der Totreife" geerntet, also wenn es richtig trocken und hart ist. Das Dreschen der Ähren erfordert Totreife, die auch noch nach der Ernte erreicht werden darf. Eine Ernte mit Mähdreschern ist jedoch erst bei Totreife möglich. Nur die harten, vollreifen Körner werden durch die mechanische Beansprucheng beim Dreschen nicht zerquetscht - und damit verderblich. Das harte, vollreife Getreidekorn ist ein kleines Wunder, eine kleine Festung, in deren harter Schale all die wertvollen Bausteine für das Leben und die neue Pflanze haltbar und versiegelt lange ausharren können. Das macht es ja so wertvoll.

Im Getreidekorn sind auch im Zustand der "Totreife" nur Mehlkörper und Schale im biologischen Sinn tot. Sowohl Keimling als auch Aleuronschicht bestehen aus lebenden Zellen und atmen. Dies führt bei ca. 15 % Wassergehalt zu jährlichen Stärkeverlusten zwischen 0,25 % und 2 %. Dies erklärt, warum Getreide bei guter Lagerung über Jahrtausende keimfähig gelagert werden kann.

Man sagt, daß Getreide habe sich den Menschen Untertan gemacht, da seine Früchte dem Menschen als Grundnahrungsmittel zur menschlichen Ernährung oder als Viehfutter dienen. Das Korn besteht aus einem stärke- und in geringerem Umfang teilweise auch eiweißhaltigen Mehlkörper, einem fetthaltigen Keimling, einer miteinander verwachsenen Samenschale und Fruchtwand sowie der zwischen Mehlkörper und Schale liegenden eiweißhaltigen Aleuronschicht. Das enthaltene Eiweiß von Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste wird auch als Kleber oder Gluten bezeichnet, während Mais, Reis und Hirse glutenfrei sind.

 

Wieviel muß ich einlagern?
Im Schnitt solltet Ihr 300 - 400 Gramm Getreide pro Person und Tag einrechnen. Ein junger, kräftiger Mann braucht mehr, wenn er körperlich stark arbeitet, deutlich mehr, etwa 800 Gramm. Ein alter Mensch, der keine körperliche Arbeit leistet, braucht vielleicht nur 200 Gramm. Deinen Bedarf an Getreide bemißt Du aus fünf Gesichtspunkten:

1) Wieviele Personen umfaßt meine Familie, die auf jeden Fall im Haushalt lebt und ernährt werden muß?

2) Mit wievielen Personen ist zu rechnen, die in einer Krisensituation zusätzlich aufgenommen werden müssen, weil verwandt, eng befreundet oder wegen ihrer Kenntnisse, Kontakte, Nützlichkeit ein Gewinn sind und klugerweise integriert werden sollten? Auch zum gemeinsamen Schutz.

3) Wieviel Getreide kann ich in den mir zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten lagern? (Neben vielen anderen Dingen, die man in einer Krise haben sollte)

4) Wieviel Getreide ist dann noch als "Tauschmittel" zu bevorraten möglich?

5) Von welchem Zeitraum der Nahrungsmittelknappheit gehe ich aus?

Seid Ihr zwei Personen, kinderlos und Enkel-los, lebt auf dem Land, seid befreundet mit einem Bauern in der Nähe, der Getreide anbaut und könnt ihm dafür andere brauchbare Dinge geben, braucht Ihr nicht viel Getreidevorrat.

Seid Ihr eine große Familie, mit weitverzweigter Verwandschaft, die sich überhaupt nicht auf eine Krise vorbereitet hat, aber in erreichbarer Nähe zu Euch wohnt und weiß, daß Ihr Vorbereitungen getroffen habt, kommen die auch. Da könnt Ihr kaum genug Vorräte haben - falls Platz dazu da ist.

Regel Nummer eins: Erzählt nicht Gott und der Welt, daß Ihr Krisenvorräte habt.
Klingt hartherzig, muß aber sein. Sonst habt Ihr so schnell unglaublich viele, neue, gute Freunde, so schnell könnt Ihr nicht gucken, und alles ist weg. In der Not werden Menschen unverschämt. Solche Informationen müssen im engen Netzwerk bleiben, in dem man Vertrauen haben kann und sich unterstützt.

Jammert in der Nachbarschaft. Wenn öffentliche Not-Versorgung verteilt wird, hingehen, jammern, vorsichtig herantasten. Möglichst als Gruppe kommen und nicht allein. Auf keinen Fall das Risiko eingehen, von rücksichtslosen Ellenbogenmenschen verletzt zu werden! Einfach unauffällig in der Gruppe mitmischen. Mit oder ohne "Beute" heimgehen, aber möglichst in der Gruppe.


 

 

   

   

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